«Mittlerweile bin ich unglaublich dankbar und glücklich»

Erfolgreich zurück in den Beruf

Martyna Tutinas kämpfte über einen langen Zeitraum mit psychischen Problemen und verlor dadurch auch ihre Arbeitsstelle. Mit Unterstützung der IV-Stelle der SVA Schwyz und dank ihres ungebrochenen Willens und ihrer Motivation, an sich selbst zu arbeiten, steht sie heute wieder fest im Berufsleben.


Der 18. Oktober 2021 war ein Freitag. Daran erinnert sich Martyna Tutinas, als sei es gestern gewesen. Im Aussendienst für eine Immobilienfirma im Kanton Luzern tätig, nahm sie an diesem Tag an einer internen Weiterbildung teil. Im Laufe des Tages machten sich plötzlich Symptome bemerkbar: Kopfschmerzen, flacher Atem, Desorientierung. Die folgende Nacht markierte den Beginn einer Geschichte, die sie bis heute prägt: Fortlaufende Panikattacken stellten sich ein, die auch in den folgenden Tagen, Wochen und Monaten nicht abebben wollten. Manchmal Dutzende täglich. Weiterhin zur Arbeit zu gehen, war nicht mehr möglich.

«Martyna hat sich innert kürzester Zeit zu einem menschlich wie auch fachlich unverzichtbaren Teil der Abteilung entwickelt.»
Marcel Käselau, Abteilungsleiter Asylwesen, Amt für Migration Kanton Schwyz

Auf die Krankschreibung folgte nach sechs Monaten die Entlassung durch ihren bisherigen Arbeitgeber. Die psychiatrische Diagnose: Generalisierte Angststörung und Agoraphobie. Die starke Medikation schlug nicht an, verschiedene Klinikaufenthalte und anhaltende psychiatrische Konsultationen waren die Folge. Damals noch in Biel wohnhaft, meldete sie sich rund ein Jahr nach Beginn ihrer Arbeitsunfähigkeit bei der ansässigen IV-Stelle an. Kurz danach zog sie mit ihrer Familie um nach Schwyz, und ihr Dossier wurde an die IV-Stelle der SVA Schwyz delegiert. Zu diesem Zeitpunkt hatte sie sich völlig aus dem sozialen Leben zurückgezogen.

Doch eines kam für Martyna Tutinas nie infrage: Aufgeben. Obwohl sie mit grossen Unsicherheiten kämpfte, weil der Therapieerfolg sich nicht einstellen wollte, hatte sie stets die feste Absicht, wieder im Erwerbsleben Fuss zu fassen. Die IV-Stelle Schwyz vermittelte ihr ein zehnmonatiges Arbeitstraining bei einem ortsansässigen Integrationsdienstleister, gefolgt von einem zweimonatigen Jobcoaching. Sie arbeitete sich in die Themen Einkauf, Verkauf, Administration und Buchhaltung ein. Die erst zu diesem Zeitpunkt – anhand ihrer Erlebnisse im Arbeitstraining – evaluierte und bisher unbehandelte Diagnose ADHS lieferte ihr endlich eine Erklärung für die bisher so unverständlichen Panikattacken, die sie nun als Folgeerscheinungen einordnen konnte.

So wichtig diese Phase für sie war, konnte aber eine adäquate Anschlusslösung im Rahmen des folgenden Jobcoachings nicht gefunden werden. Die IV-Stelle der SVA Schwyz übernahm die Einsatzplatzsuche im Anschluss eigenhändig, da bei Frau Tutinas viel Potential und ein starker Wille zur Rückkehr ins Leben erkennbar waren. Die Eingliederungsfachperson der IV-Stelle ermöglichte ihr die Kontaktaufnahme zu diversen potentiellen Arbeitgebern, und eine Chance eröffnete sich: Das Amt für Migration des Kantons Schwyz stimmte im Mai 2024 einer Eingliederungsmassnahme zu. Martyna Tutinas erhielt eine neue Chance, wieder ins Erwerbsleben einzusteigen.

In der Folge blühte sie auf. Sie erfuhr Wertschätzung seitens ihrer Arbeitskollegen/-innen, konnte ihre Stärken zum Einsatz bringen und mit denen des Teams kombinieren. Aus der Eingliederungsmassnahme wurde nach sechs Monaten eine Festanstellung im Vollpensum. Und im April 2026 übernimmt sie sogar die Leitung ihres bisherigen Teams.

Entscheidend für Martyna Tutinas’ Erfolgsgeschichte ist das Zusammenspiel von versicherter Person, Arbeitgeber und IV. Die IV-Stelle der SVA Schwyz hat den Prozess begleitet und unterstützt. Die Mitarbeitenden im Amt für Migration haben Frau Tutinas offen aufgenommen und ihr mit viel Verständnis und Vertrauen den Wiedereinstieg ermöglicht. In diesem Umfeld konnte sie ihre Stärken einbringen und sich bewähren.

«Ich bin überzeugt: Eingliederung gelingt nicht durch Abklärungen, sondern durch Menschen, die es ehrlich meinen und Verantwortung übernehmen. Es braucht den Mut, Chancen wirklich zu geben und gemeinsam zu tragen. Dann entsteht Vertrauen, das trägt.»
Regina Ben Jemia, Leiterin Berufliche Integration und Berufsberatung, SVA Schwyz

Für die Unterstützung der SVA Schwyz findet sie lobende Worte: «Ich bin unglaublich dankbar und glücklich. Lange wurde ich nicht verstanden und verstand mich auch selbst nicht, weil ich am falschen Ort war. Jetzt erhalte ich grossen Rückhalt in meinem Team, kann meine Stärken zum Ausdruck bringen, beruflich weiterwachsen und mich wieder wertgeschätzt fühlen!», strahlt sie. Ihre Symptome begleiten sie weiterhin, doch inzwischen kann sie in kritischen Situationen die richtigen Schritte einleiten und eine kurze Auszeit nehmen. Meistens reichen dazu wenige Minuten, und sie erhält viel Verständnis und Rückhalt von ihrem Team. Und sie kann heute sagen: «Meine Geschichte beweist, dass das Prädikat IV nicht einfach ein Stempel für unzureichende Fähigkeiten ist, sondern dass die IV im Gegenteil auch motivierte Menschen wie mich aktiv wieder zurück ins Arbeitsleben begleitet!»

Netzwerk Arbeit Kanton Schwyz

Gemeinsam für gelebte Integration.